Das bedeutet, dass ganz egal was ich zu wissen glaube, wie meine Meinung bezüglich etwas aussieht oder welche Weltsicht auch immer ich mehr oder weniger lautstark vertrete: meinem inneren Kind ist das alles vollkommen wurscht.
Ich mag das Bild des inneren Kindes sehr, weil es so absolut zutreffend ist:
im Innersten haben wir alle diesen zutiefst verletzlichen und verletzten Anteil in uns, der sich so sehr nach Geborgenheit, Sicherheit und Verbundenheit sehnt.
Der so sehr bedürftig ist- aber auch die immense Stärke von Verletzlichkeit verleiht und die schier grenzenlose Fähigkeit, zu staunen und bedingungslos zu lieben.
Was könnte kostbarer sein?
Fast alle haben wir als Kinder erfahren, wie wir versehrt wurden, beschämt, klein gemacht und in verschiedenster Weise mißbraucht, durch tiefste Unbewusstheit derer, denen wir anvertraut waren und die unser Vertrauen in uns und das Leben nachhaltig erschütterten.
Wir haben diesen verletzten Teil meist tief in uns vergraben, eine Mauer drum herum gebaut und sie zusätzlich mit allerlei Schutzvorrichtungen versehen.
Und während wir zumindest körperlich erwachsen werden, pressen wir allzuoft diese zitternde innere Empörung und Wut über den uns zugefügten Schmerz in allerlei Formen, um ihn unter dem Deckmantel von „Gerechtigkeit“ an der Welt, die sich so schmählich an uns vergriffen hat, auszulassen.
Wir mögen gegen Umweltverschmutzung, „die Obrigkeit“, „das System“, Patriarchat, Matriarchat, das Böse, Reptiloide oder den Weihnachtsmann wettern- das verlassene und ungesehene Kind in uns wünscht sich dagegen nur eines: gesehen zu werden.
Gehört.
Geliebt.
Und egal, was ich der Welt verkünde- wie sich welche Energien mal wieder warum verändern und dass jetzt überhaupt alles GANZ anders ist als bisher ist, WEIL… und wie überaus wichtig die regelmäßige Zufuhr von xy ist:
da ist immer noch dieses Kind in mir, das ich einst war, ein Kind, das nie gehört wurde und dem meine ganze Weltsicht und all meine Meinungen und MEINS vollkommen scheißegal ist.
Und in dir ist es auch.
Und ich schwör dir- sie sind eins.
Und immer wieder zupft es dich und auch mich hoffnungsvoll am Ärmel und flüstert leise:
Kannst du mich bitte einfach nur in den Arm nehmen?
Ohne mir die Welt zu erklären, mich analysieren, heilen oder anders haben zu wollen?
Ja, ich KANN.
Und du auch.
Sämtliche Rituale, Zeremonien, Techniken und Tools werden mit einem Schlag vollkommen bedeutungslos, wenn wir verstehen, dass es seit jeher ums befrieden dieses Teils in uns ging.
Heimat zu sein für das, was in uns nicht in Frieden ist.
Indem wir selbst Heimat finden in jenem Teil von uns, der das Größte ist, immer schon war und immer sein wird.
Und zu sehen, dass nichts auf der Welt heiliger ist, als genau dieser Teil in uns- weil nur er uns heilt und heiligt.
Wenn für einen Menschen dies zur Priorität wird- weil in Enge und Unfrieden zu verharren irgendwann schmerzhafter wird, als unserer Angst zu begegnen und zu wachsen- dann ist alles andere unwichtig.
Dann sind all unsere Meinungen, Weltsichten, Theorien, Konzepte, Erklär-Modelle und Schubladen vollkommen egal.
Berührbarkeit, Empfindsamkeit, Verletzlichkeit und Mitgefühl entstehen, wenn wir zuhören.
Wirklich hinhören.
Wenn wir in uns lesen, statt in irgendwelchen „Feldern“.
Und wenn wir lieben, was immer wir lesen, weil es in tiefster Unschuld und in Lettern aus Gold und Sternenstaub geschrieben wurde.
Wir sind Bücher Gottes: geheiligt sei unser Name.
Und selbst in völliger Dunkelheit und ohne Lesebrille kann ich lesen, was geschrieben steht.
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