…saß ich und blickte in den schönsten Sonnenuntergang, der mir je vergönnt war zu sehen.
Und ich hab viele Sonnenuntergänge gesehen. Und natürlich Aufgänge.
Das letzte und das erste Licht.
Sind wir nicht exakt dasselbe?
Wir gehen auf, strahlend und funkelnd, in den wunderschönsten Farben, beleuchten die Welt mit unserem Da-Sein und unserem Schein und tauchen schlußendlich wieder ein in dieselbe allumfassende, warme, sternengesprenkelte Dunkelheit, aus der wir einst kamen.

Dieses unfassliche Wunder und Mysterium ist uns aber in den allermeisten Fällen nicht genug, oh nein.
Weil wir den Sternenstaub und Atem Gottes, aus dem wir gemacht sind, nicht (mehr) fühlen können, erfinden wir Geschichten, damit wir uns nicht so klein und unbedeutend fühlen.
Und Leben wird reduziert auf ein Problem, das es zu lösen gilt.
Weil wir üblicherweise in eine Welt hineingeboren werden, wo wir selbst ein Problem sind, statt ein großartiges Wunder.
Und wenn wir uns selbst als ein Problem sehen, dann ist alles andere ebenfalls ein Problem.
Und Leben wird schwer.
Schwer und mühsam.

Und dann die Furcht.
Und die Furcht vor der Furcht.
Furcht vor all den unliebsamen Seins-Zuständen, die Leben mit sich bringt: Angst. Wut. Hass. Traurigkeit. Einsamkeit. Verzweiflung. Scham. Leere. Versagen. Stagnation.
Wenn wir innen drinnen nicht schauen wollen oder können, schauen wir stattdessen im Außen.
Befassen uns unablässig mit dem Zustand der Welt und empören uns darüber.
Bauschen uns auf mit künstlicher Wichtigkeit :
ICH BIN
wird zu „Ich bin … der, der die Schwingung auf diesem Planeten erhöht
Meister
Schamane
eins mit der Natur
berufen
Medium
Healer
Witch
Diener des Great Spirit
Tier-Flüsterer
Anderswelt-Botschafter
Feen-Beauftragter
Seelen-Plan-Leser“
etc pp.

Es ist unglaublich, was einem alles an größenwahnsinnigen und wichtigtuerischen Allmachts-Fantasien entgegenquillt, sobald man Social Media öffnet.
Weswegen ich es lieber geschlossen halte.
Egos, die solche Angst haben vor Kleinheit, Bedeutungslosigkeit, Nichtigkeit, NORMalität, dass sie es zur Norm machen, möglichst bedeutend, besonders und anders zu sein.
Weil Egos keinerlei Ahnung haben, was die Norm für Mensch-Sein eigentlich ist.
Perfektion, Schönheit, strahlendes Glück und Erfolg in Hochglanz- Bildern, wohin man schaut.
Und das Beste: Auch du kannst das haben! Es kostet dich lediglich läppische 10k- ein Klacks, wenn man bedenkt, dass du dadurch fortan endlich wieder mit deiner Seele verbunden bist, in den höchsten Frequenzies schwelgst und alles absolut easy ist.
Sämtliche Archonten, Dämonen und sonstiges Gesocks nehmen vor deinem strahlenden Licht schreiend Reißaus oder begehen umgehend kollektiven Suizid und dank dir herrscht überall, wo deine erlauchte Anwesenheit deine Mitmenschen beehrt, Laf änd Piss.

Das ist der verblödete geistige Dünnschiss, der einem begegnet, wenn man heutzutage Social Media öffnet. Nebst einigem anderen.
Man könnte meinen, dass wir soweit entfernt von unserer Natur, unserem Wesen und damit dem Wesentlichen sind wie nie zuvor.
Dass die Welt um uns herum in einem so desolaten Zustand ist wie nie zuvor.
Dass alles komplett den Bach runtergeht- und natürlich müssen wir auf der Stelle etwas dagegen tun.
Sonst….

Schschscht.
Leise.
Still.
Jemand spricht mit dir.
Nicht in deinem Kopf.
Ein paar Etagen tiefer.

Nicht von deiner Meisterschaft oder der nächsten Karotte, der du hinterher jagen sollst.
Nicht von deinem Leadership oder wie du 5k oder 50k in diesem Monat machst.
Nicht vom verheerenden Zustand der Welt um dich herum, der im übrigen schon immer exakt so hoffungslos und desolat und so endlos magisch schön wie immer ist.
Und auch nicht, wie du der Dunkelheit, Traurigkeit und Einsamkeit in dir entkommst und dich endlich gesehen, gewertschätzt und geliebt fühlst.
Die Reise zu den Delfinen kannst du also getrost ad acta legen.

Nein.
Diese Stimme spricht zu dir von der Größe deines eigenen Herzens.
Von einem ganzen Universum, das darein passt.
Wie alles, was dir solche Angst macht, in Wahrheit einfach nur gesehen und geliebt werden will.
Wie Dunkelheit und Schrecken keinen selbsternannten Meister mit flammendem Schwert benötigen, sondern DICH, der du dich jeden Tag aufs Neue darin übst, auf meisterhafte Weise mitten im schwersten Sturm ein Streichholz zu entzünden, das die Dunkelheit durchdringt.
Bis du schließlich hinter der tiefsten und undurchdringlichsten Schwärze jene Tür findest, die das Licht selbst verbirgt.
Und diese Stimme flüstert dir, dass nur du allein diese Aufgabe meistern kannst.
Und dass wenn du sie nicht meisterst, es niemand kann.
Ja wirklich.
Wie nah Fantasie und Wirklichkeit einander doch sind.

Aber vor allem spricht diese Stimme in dir von … Liebe.
Liebe in Form von Regentropfen. Funkel-Sternen. Mondenschein. Morgentau auf zarten Grashalmen. Katzenschnurren. Dem Geschmack von schmelzender Schokolade. Dem Segen von Tränen.
Der Schönheit von Einsamkeit.
Und dass alles Wesentliche fernab von jeglichem Applaus und in Alleinsein und Stille geschieht.
Und nur für dich.

Und natürlich von … Sonnenuntergängen.
Nicht notwendigerweise in Kambodscha am Ufer des Kampot.
Sondern hier und jetzt.
Wo immer du auch bist.
Hör gut zu.
Denn diese Stimme ist… leise.
Leise und zart.
Vielleicht brauchst du anfangs ein Hörgerät.
Aber das macht nichts.
Solange du nur zuhörst.

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