Da bist du ja wieder.
Lieber Impuls zum schreiben.
Lange warst du verschollen.
Und grade heute, wo ich nach einem 9-Stunden Tag hinter der Supermarktkasse völlig erledigt nach Hause komm, meine Füße schmerzen und draußen erstmals seit wochenlanger Gluthitze die Erde aufatmet, getränkt von sintflutartigen Regenfällen und der Wind ums Haus tobt, grade heute, jetzt, kitzelt es in meiner Hand, die Worte tröpfeln hervor und wässern (m)eine Welt, die irgendwie in den letzten Monaten – oder ist es schon ein Jahr?- vollkommen irrelevant war.

Unklarheit war angesagt.
Hadern war angesagt.
Aber sowas von.
Was hat es gehadert in mir.
Mit mir, meinem Leben, dem Leben im allgemeinen und überhaupt allem.
Und ich hab mir monatelang alles angehört.
Hab dem Hadern ein Mikro in die Hand gedrückt und es seinen Job machen lassen:
Mein Körper.
Mein Leben.
Die Welt.
Überall Irre.
Die andere kleinmachen, weil sie so klein sind.
Wieso arbeite ich noch immer in einem scheiß Supermarkt.
Statt….
Wieso bin ich eigentlich so ein Eigenbrötler?
Ist das überhaupt gesund?
Vielleicht stimmt ja was so gar nicht mit mir.
Und überhaupt.
Laber.
Rhabarber.

Und heute, heute steh ich an dieser Supermarktkasse, die in den letzten Monaten sooft mein Endgegner war.
Weil mich diese ganzen kleinlichen Menschen, die mit ihren scheiss verschissenen drecks verfluchten Rabatt-Pickerln ankommen und eine Szene machen, weil die Kasse oder ich vergessen haben, 50 verschissene Cent abzuziehen, dermaßen angekotzt haben.
Stehe da und plötzlich, ganz plötzlich, hat sich’s endlich ausgehadert.
Einfach so.
Schau sie mir an, die Menschen, die da brav hintereinander in der Reihe stehen, mit ihren gezückten Rabatt-Pickerln, ihren dämlichen Mitglieds-Karten, die irgendwelche Vorteile versprechen, wenn schon das Leben so unvorteilhaft ist und denke mir:
WIR.
Nicht: ICH. Und SIE.
WIR.
Wir Menschen.
Manchmal eng.
Manchmal weit.
Manchmal groß.
Manchmal klein.
Und ich sitz zuhause auf dem Sofa, streichel meine Füße, reib sie mit irgendeinem kühlenden Gel ein, das seit Ewigkeiten in einer Schublade rumliegt und fühle nichts als grenzenlose Dankbarkeit.
Und ich erinner mich: das sind Gottes Füße.
Glasklar steht es geschrieben.
Ich hatte irgendwie bloß meine Lesebrille für ein Weilchen verlegt.
Passiert den Besten von uns.

Öffne kurz das Gesichtsbuch wegen einer Nachricht.
Und stolpere über einen Text von jemandem, der sich schon dem Namen nach anders findet, aber sich darüber mokiert, wie viel Egozentrik in der Welt herrscht.
Und dass es bald eine nie dagewesene Anzahl alleinstehender Frauen mit vier Katzen geben wird oder schon gibt, die irgendwann mal eine falsche Entscheidung getroffen haben, weil sie Stärke mit Unabhängigkeit verwechselt haben und deswegen…
Fühle mich kurz angesprochen, weil ich eine der bedauernswerten Kreaturen bin und korrigiere innerlich umgehend die Katzen-Anzahl.
Es müssen mindestens fünf Katzen sein.
Mindestens.
Und schwupps: da ist sie ja wieder, meine Klarheit.
Zusammen mit dem Schreib-Impuls.
Seltsamer Zu-Fall, oder?

Ein kurzer Check:
Nope.
Sowas von NOPE.
Wenn du jemals unglücklich und leidend bist, dann ganz sicher nicht, weil du alleinstehend, zwischen 40 und 101 bist und vier Katzen hast, aber keinen Mann.
Sondern weil dir eine 5.te Katze fehlt.
Du einen Supermarkt als Sadhana brauchst.
Und vielleicht -aber nur vielleicht- weil deine Ausbildung im zuhören noch nicht ganz abgeschlossen ist.
Wenn du nämlich was anderes als den wundersamen Klang menschlichen Daseins hörst, feinst verwoben in endlosen, vielstimmigen und oh so unendlich liebenswerten Stimmen, dann hast du was auf den Ohren.
Macht aber nichts.
Hör nochmal.
Und alleine stehen können und mindestens 5 Katzen haben kann helfen.
Muss aber nicht.
Und Ohren putzen.

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